„New Work“ – was ist das eigentlich?

Ich komme ja eher aus der (Daten-) analytischen Ecke, und frage mich regelmäßig, wie eine Veränderung hinsichtlich des „neuen Arbeitens“ zu messen ist. Bevor aber überhaupt etwas zu messen ist, gilt es festzustellen, in welchen Bereichen denn überhaupt Veränderungen auftreten, also konkret – was macht „New Work“ überhaupt aus?

Neue Tools: Natürlich, es werden neue Tools eingeführt, Teams, Slack, Intranet, Jira, etc. Das sind alles gute Tools, aber nur weil mir jemand einen Werkzeugkasten in die Hand gibt, kann ich noch lange kein Auto reparieren. (Ich möchte nicht mal, weil es von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist.)

Die Fähigkeiten, mit neuen Tools umzugehen: Ja, das ist gut, hilft ungemein, liegt auf der Hand. Wenn ich den Werkzeugkasten nicht aufbekomme -schwierig.

Neue Methoden: Projekte werden nun agil gemacht, man macht Brainstormings oder begibt sich in den ThinkTank. Das klingt jetzt ein bisschen ins lächerliche gezogen, tatsächlich haben diese Ansätze alle etwas gutes, es gilt hier aber sicherlich, die Methode nicht über das Ergebnis zu stellen. Aber das ist nur meine persönliche Meinung.

Neue Arbeitsumgebung: Na klar, wer bislang noch kein Homeoffice „machen“ durfte, weiß die neue Freiheit zu schätzen. Nicht jeder kann damit umgehen, viele wollen gar nicht immer im Homeoffice arbeiten. Habe kürzlich einen tollen Artikel mit der Überschrift „Alleine Arbeiten macht seltsam“ gelesen. Da ist definitiv was dran. Aber: Hinter der Idee des Homeoffice (in Kombination mit flexiblen Arbeitszeiten) verbirgt sich viel mehr. Es ist die freie Einteilung von Zeit, die Möglichkeit, Arbeit und Privatleben gut zu tarieren, die jeweils beste Zeit für die sinnvollsten Dinge zu haben. In den Unternehmen werden die Arbeitsumgebungen verändert – wechselnde Schreibtische, offene Umgebungen, gemütliche und gar inspirierende Umgebungen sollen Kreativität, Motivation und geistige Flexibilität fördern.

Die Motivation, anders zu arbeiten: Wenn ich nun genauso arbeite wie vorher, hat sich eigentlich nichts geändert. War der Wechsel von der Schreibmaschine auf Word die erste New Work Revolution? Glaube nicht. Also muss ich verstehen, warum eine Änderung meines Verhaltens sinnvoll ist – ich muss da irgendeinen Vorteil raus ziehen. Idealerweise macht es meinen Job besser. Was immer das auch hießt: Entspannter, lukrativer, sinnvoller, effizienter. Und tatsächlich – ich muss damit rechnen, dass bestimmte Dinge nun anders laufen, und ich muss aktiv versuchen, offen dafür zu sein. Das ist tatsächlich mitunter sehr schwer, selbst wenn der Nutzen auf der Hand liegt. (Die neurochemischen Hemmnisse im Gehirn von Veränderungen sind hinreichend erforscht und bekannt.)

Achtsamkeit: Zentrales Thema bei „New Work“ ist offenbar eine neue Form der Zusammenarbeit. Verschiedene Menschen (-Typen) mit unterschiedlichen Kompetenzen und Motivationen sollen enger zusammenarbeiten. Das machen Sie in der Regel auch nur, wenn sie was davon haben. Eine ernsthafte, gute Zusammenarbeit ist wie eine gute Teamarbeit – jeder muss aktiv einen Zusammenarbeitsbeitrag einbringen. Sprich, nicht abwarten, ob das gut funktioniert, sondern aktiv daran arbeiten, dass es so ist. Dazu gehört auch, seine Wahrnehmung auf Potenziale und Störungen im Team zu schärfen – um eben aktiv das Team mit den eigen Stärken ergänzen zu können.

Wohlwollen: Es nützt nichts, wenn ein Telepath im Team ist, der nicht will. Gute Zusammenarbeit funktioniert nur aus positiver Motivation. Jede Kommunikation kann so oder so verstanden werden. Eine wohlwollende Grundmotivation, die man durchaus bewusst erzeugen kann, hilft gegen viele Missverständnisse. Jeder hat mal einen schlechten Tag, keiner ist perfekt – auch das kann akzeptiert werden, eine Entschuldigung tut grundsätzlich genauso wenig weh wie eine konstruktive Nachfrage, welche der potenziellen Interpretationen denn die richtige wäre. Tatsächlich trennt sich hier in der Teamarbeit die Spreu vom Weizen.

Resillienz: Großes Wort, meint die „psychische Stabilität“. Wir sind alle keine Maschinen. Wir sind begrenzt in unserer Leistung, und wir sind nicht mal linear beastbar. Wir haben gute Tage, wir haben schlechte Tage, wir haben Weltverbesserungstage und wie haben Tage, in den wir uns am liebsten verkriechen wollen. Das ist keine große Weisheit, das kennt jeder. Aber: Wir müssen das nicht vollständig akzeptieren, wir können daran arbeiten, und auch das gehört zu „New Work“. Wir können unseren Körper und unseren Geist gesund halten, und das ganz individuell. So wie wir den Körper mit der richtigen Dosis Bewegung in Form halten, können wir unsere geistige Gesundheit durch Meditation stärken. Keine Sorge, ich werde jetzt nicht esoterisch – der Einfluss von Meditation auf die geistige Stabilität ist hinreichend erforscht und nachgewiesen. Hab ich erst selbst nicht geglaubt, selbst gemessen (mit einem EEG) und gestaunt. Wer jetzt direkt „esoterischen Humbug“ denkt, hinterfrage doch mal seine eigene Motivation und Offenheit in der Veränderung.

Im folgenden Bild ist ein aufgezeichnetes EEG zu sehen: Erst bei voller Konzentration (ein sehr forderndes Kartenspiel), danach bei der Meditation. Zeitraum des EEGs hier ist etwa 20 min. Man muss kein Spezialist sein, um die massive Veränderung in der Bildmitte zu sehen…

So, „New Work“ ist also wirklich mehr als Homeoffice, agile Projekte, Chai Latte, Sitzlandschaften und Microsoft Teams oder Slack. Es ist ein aktives Umdenken, ein aktives Mitgestalten und vor allem eine offene Grundhaltung – am besten mit einer Spur Neugierde.

Meint nur:

Torsten Katthöfer

Torsten Katthöfer

Managing Director contexxt.ai Head of Advanced Analytics & Artificial Intelligence